
Alles über die Pflege von Wollpullovern!
Wollpullover können Sie ein Leben lang begleiten, zumindest wenn Sie wissen, wie man sie pflegt. Hier erfahren Sie, wie Sie die Pullis waschen, trocknen und schützen können.
Was passiert mit der Wolle beim Waschen?
Es heißt ja, Wollprodukte solle man nicht zu heiß waschen, weil sie schnell einlaufen können. Das ist leider wahr. Um das Einlaufen Ihres Lieblingspullovers zu vermeiden, ist es hilfreich zu verstehen, was eigentlich mit der Wolle beim Waschen passiert.
Wolle besteht im Wesentlichen aus dem Eiweiß/Protein Keratin, das sehr hitzebeständig ist. Im Gegensatz zu Hühnereiern, die schon bei 40 - 60°C denaturieren (gerinnen/verklumpen), hält trockene Wolle unglaubliche 230°C Hitze aus, bevor die Eiweißstruktur zusammenbricht. Nasse Wolle ist nicht so robust, aber mit 140°C zum Denaturierungspunkt immer noch sicher genug vor jeder Waschmaschine.
An der bloßen Temperatur liegt also nicht, wenn ein Wollpullover einläuft. Oder doch, aber anders.
Vereinfacht gesagt bestehen Haare vor allem aus einer schuppigen Hülle, die den Kortex, genannt Spindelzellenschicht, schützt. In den Spindelzellen sind die langen Keratinproteine, die untereinander mit Wasserstoffbrücken verbunden sind und die Festigkeit der Haarstruktur bewirken. Doch das funktioniert nur, solange die Haare trocken sind.
Sobald Haare nass werden (egal welche Temperatur), lösen sich die Wasserstoffbrücken zwischen den Keratinketten auf. Die Wolle wird spürbar elastischer, und quillt auf. Dadurch stellen sich auch die äußeren Schuppen ein wenig auf und können sich durch die Bewegungen in der Waschtrommel oder auch durch physische Belastung bei der Handwäsche ineinander verhaken.
Das ist nicht gut für den Wollpullover. Die Wasserstoffbrücken zwischen Keratinproteinen bilden sich zwar nach dem Trocknen neu, aber die Verhakung der Schuppen löst sich nicht mehr ohne weiteres auf und kann so insgesamt zu einer Verkürzung des Garne führen - der Wollpullover läuft ein.
Nun kommt die Waschtemperatur ins Spiel. Denn je wärmer das Wasser ist, desto steiler stellen sich die Schuppen auf und desto wahrscheinlicher verhaken sich die Fasern.
Deswegen empfehlen alle Hersteller die Kaltwäsche. Wichtig ist dabei, dass kalt nicht lauwarm bedeutet, sondern wirklich kalt.
Fazit: Jede Wäsche macht etwas mit Ihrem Wollpullover. Wenn die Wäsche doch notwendig ist, dann reinigen Sie ihn nur mit Wollwaschmittel und kaltem Wasser.
Um das Einlaufen zu vermeiden, seien Sie nett zu ihm und verzichten Sie bitte auf Wringen, Würgen und Schleudern.
Dass Wollpullover und Gewaltfreiheit irgendwie zusammengehören, haben wir doch schon immer geahnt, oder?
Waschen oder nicht?
Wollpullover müssen nicht so oft gewaschen werden, wie zum Beispiel Baumwolltextilien. Aufgrund des in der Wolle enthaltenden Lanolins (Wollfett) sind Wollpullover von sich aus Schmutz abweisend. Es reicht also häufig, die Pullover eine Zeit lang an die frische Luft zu hängen und vom Wind durchpusten zu lassen. Das heißt jedoch nicht, dass Wollpullover gar nicht gewaschen werden sollten. Wenn Sie das Gefühl haben, eine Wäsche würde guttun, dann beachten Sie bitte Folgendes.
Handwäsche oder Maschinenwäsche?
Die Hersteller empfehlen alle Handwäsche, aber auch Maschinenwäsche im Wollprogramm ist problemlos möglich, wenn die Waschmaschine in Ordnung ist und auch die Trommel keine Macken hat. Bei beiden Reinigungsarten ist wichtig, dass Sie die Wollpullover niemals wärmer als 20°C waschen, am besten kalt.
Das gilt auch für die Handwäsche. Aber Vorsicht: 20° fühlen sich ziemlich kalt an. - Nutzen Sie nur Wollwaschmittel, um das Lanolin zu schonen und den Pullover geschmeidig zu halten. - Schleudern, Wringen oder Rubbeln Sie nicht! Legen Sie den Wollpullover besser in Wollwaschmittel-Wasser und halten sie ihn in Bewegung, so dass das Wasser die Maschen gut durchspülen kann. Anschließen sollten Sie die den Pulli mit klarem Wasser ausspülen und das Wasser ohne Wringen vorsichtig herausdrücken.
Trocknen
Wollpullover gehören nicht in den Trockner und nicht auf die Heizung! Sorgen Sie vor dem Trocknen dafür, dass der Pullover nur noch feucht aber nicht mehr nass ist, damit er nicht zu schwer ist. Am besten, man wickelt ihn in ein Handtuch und drückt die Nässe vorsichtig raus. Je nach Gewicht sollten Sie den Pulli auf mehrere Streben eines Wäscheständers legen (liegend trocknen). Sie wissen ja, jetzt müssen sich die Wasserstoffverbindungen zwischen den Keratin Proteinen erneuen, also lassen Sie ihm ein wenig Zeit. Die Erneuerung ist nun in vollem Gange, ihr Wollpullover lebt! Das ist eigentlich eine schöne Vorstellung.
Waschen durch Dämpfen ersetzen?
Das Wetter lässt es nicht immer zu, Strickwaren zum Auffrischen draußen aufzuhängen – hier kommt ein Handdampfer ins Spiel. Dämpfen ist ein großartiges Mittel zur Pflege von Strickwaren und eignet sich gut, um ein Kleidungsstück aufzufrischen und wieder in Form zu bringen. Achten Sie darauf, es nach dem Dämpfen wie nach dem Waschen immer flach liegend trocknen zu lassen.
Sie wissen ja, jeder Waschgang, egal wie schonend er auch sein mag, belastet die Fasern. Das Dämpfen hingegen erfrischt das Kleidungsstück sofort. Es glättet Falten, entfernt Gerüche, tötet Bakterien ab und belebt die Fasern wieder.
Wie kann ich Flecken vom Wollpullover entfernen?
Wenn Ihr Pullover Flecken hat oder sehr verschmutzt ist, kann es notwendig sein, ihn zu waschen. In diesem Fall kommt es vor allem auf die richtige Technik an. Durch die punktuelle Reinigung mit einem Wollwaschmittel lassen sich die meisten Flecken entfernen. Wenn eine Wäsche unvermeidbar ist, waschen Sie den Pullover immer von Hand mit einem schonenden Waschmittel und bewegen Sie ihn dabei nicht zu stark. Wie gesagt: Wärme plus Bewegung führt zu Verfilzung bzw. Einlaufen. Bewegen Sie den Pullover daher so wenig wie möglich im Waschbecken hin und her und wringen Sie ihn niemals aus.
Wie kann ich Wollpullover vor Motten schützen?
Vorbeugung ist entscheidend, aber was hilft tatsächlich, Motten fernzuhalten? Absolut sicher ist es, Strickwaren in luftdichten Boxen aufzubewahren und die Kleidungsstücke im Sommer jeweils für eine Woche in einem Gefrierbeutel in den Gefrierschrank zu legen. Dadurch wird jegliche Chance ausgeschlossen, dass Motten überleben.
Der Lebenszyklus von Motten sieht vor, dass sie im Frühjahr Eier legen, und tatsächlich richten sie erst dann Schaden an, wenn die Eier schlüpfen. Deshalbkann man Strickwaren im Sommer (nicht im Frühjahr) einmal in den Gefrierschrank legen.
Wenn das nicht möglich ist, kann schon das einfache regelmäßige Tragen aller Strickwaren helfen. Motten mögen kein Licht. Strickwaren, die über längere Zeit an dunklen Orten aufbewahrt werden, sind für Motten attraktiv. Idealerweise sollten sie daher regelmäßig getragen oder im Sommer in den Gefrierschrank gelegt werden, um sicherzustellen, dass die Eier niemals schlüpfen.
Was hilft gegen Pilling oder Knötchenbildung bei Wollpullovern?
Geliebte Strickwaren können Knötchen bilden, insbesondere an Stellen, die stark reiben, wie zum Beispiel unter den Armen. Das Entfernen der Knötchen kann das Kleidungsstück wieder auffrischen, doch es ist wichtig, Ihre Strickwaren dabei vorsichtig zu behandeln. Ein Pillingkamm kann helfen, die Knötchen zu entfernen, sobald sie entstehen.
Es gibt keine feste Regel, wie oft das geschehen sollte – es hängt ganz davon ab, wie häufig und intensiv das Kleidungsstück getragen wird.
Mein Wollpullover hat ein Loch, was tun?
Firmen wie Fisherman Out of Ireland fügen immer ein Heftchen mit Ersatzwolle jedem Pullover bei. Eine Änderungsschneiderei oder ein Wollladen können ihnen dabei helfen.
